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Arbeitsmarkt
Wirtschaft

Wandel in der deutsch-französischen Arbeitswelt: Wie sieht unser Arbeitsalltag in Zukunft aus?

Sie haben es sicher selbst festgestellt: Die Arbeitswelt in Deutschland und Frankreich hat sich in letzter Zeit verändert. Klar, schließlich hat die Coronapandemie die meisten von uns zu neuen Formen der Zusammenarbeit gezwungen und damit Digitalisierung und das Überdenken von alten Arbeitsstrukturen vorangetrieben. Aber auch schon vor der Pandemie war ein Strukturwandel erkennbar, der neue Arbeitsformen und Beschäftigungsverhältnisse mit sich brachte.

Der Einsatz neuer und verbesserter Technologien und die weiter zunehmende Verflechtung der Weltwirtschaft führen dazu, dass sich unsere Arbeitswelt sehr schnell verändert. Lebenslanges Lernen wird daher unverzichtbar: Arbeitnehmer müssen sich ständig fortbilden und weiterentwickeln, um mit den Veränderungen Schritt halten zu können. Wer heute seinen Beruf auswählt, kann schwer abschätzen, ob er in 10 Jahren noch in genau diesem Job arbeiten wird oder kann. So werden Lebensläufe schnell mal in ihrer Logik unterbrochen und Quereinstiege bzw. spontane Umstiege nehmen zu. (Lesen Sie hierzu auch unseren Blogartikel Berufswechsel und Neuorientierung – was ist zu beachten). Und nicht nur was, sondern auch wie wir arbeiten, verändert sich.

Arbeiten im Homeoffice in Deutschland und Frankreich

Vor Corona waren Themen wie Homeoffice und mobiles Arbeiten nur für die wenigsten deutschen und französischen Arbeitnehmer relevant. 2018 waren 5% aller deutschen und 6,6% aller französischen Erwerbstätigen im Alter von 15-64 Jahre regulär von Zuhause aus tätig (Quelle: Statista). Erst im Rahmen der Coronapandemie gewann die Idee, im Homeoffice zu arbeiten und damit nicht nur die Ansteckungsgefahr am Arbeitsplatz zu minimieren, sondern auch die Anfahrt in übervollen öffentlichen Transportmitteln einzusparen, zunehmend an Wichtigkeit. Im April 2020 arbeiteten laut Angaben des französischen Arbeitsministeriums rund ein Viertel aller französischen Arbeitnehmer von Zuhause aus (Quelle: Friedrich-Ebert-Stiftung), in Deutschland war es sehr ähnlich (Quelle: Deutsche Welle). 

Ab dem 14. Oktober 2020 galt in Frankreich eine Pflicht zum Homeoffice: Alle Arbeitnehmer, die zu Hause arbeiten können, wurden verpflichtet, dies auch zu tun. In Deutschland gab es zunächst keine vergleichbare Regelung, auch wenn es sich einige Arbeitnehmer gewünscht hätten: Unter dem Hashtag #MachtBueroszu ärgerten sich deutsche Arbeitnehmer Anfang 2021 auf Twitter darüber, dass sich Chefs trotz schwieriger Infektionslage uneinsichtig zeigten oder unterschwelligen Druck ausübten, doch im Büro präsent zu sein und forderten die Politik auf, Maßnahmen zu ergreifen. Mit der im April 2021 eingeführten „Bundesnotbremse“ wurden deutsche Unternehmen dann verpflichtet, Homeoffice anzubieten, sofern dem nicht zwingende betriebliche Gründe entgegenstehen. Natürlich ist Telearbeit nicht in jeder Branche und nicht für jeden Job gleichermaßen möglich: während in der Informations- und Kommunikationsbranche ortsunabhängige Arbeit auf Distanz leicht umsetzbar ist, kann jemand, der an bestimmten Maschinen und mit spezifischen Materialien arbeitet, seinen Job nicht so einfach vom Wohnzimmer aus erledigen.

Wie geht es weiter für unseren Arbeitsalltag?

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hat die Corona-Pandemie vor allem die folgenden Bereiche verändert:

  • interne Kommunikation (z.B. Video-Konferenzen und digitale Tools)
  • Zusammenarbeit der Mitarbeiter und deren Umgang miteinander
  • Kundenkommunikation (u.a. neue Kanäle, verstärkte Kommunikation über Social Media) 

Es ist klar, dass einige dieser Trends auch nach der Corona-Pandemie erhalten bleiben werden. Dazu gehört auch das Thema flexiblerer Arbeitszeiten. Auf wirtschaftlicher Ebene werden uns voraussichtlich der Boom im E-Commerce, die verstärkte Digitalisierung der Kundenkommunikation und vermehrtes staatliches Eingreifen in die Wirtschaft sowie Veränderungen in der Wirtschaftsordnung und -ethik noch langfristig begleiten. 

Durch die Coronapandemie wurden viele Gewohnheiten der Arbeitswelt in Frage gestellt. Werden wir in Zukunft darauf verzichten, unser Gegenüber mit Handschlag zu begrüßen? Wird es zukünftig noch Weihnachtsfeiern geben? Auch die Zukunft von Dienstreisen ist ungewiss. Ist es wirklich notwendig für ein Meeting mit Geschäftspartnern quer durch Europa zu fliegen oder kann die Angelegenheit auch unkompliziert per Videokonferenz besprochen werden? Das spart nicht nur Kosten, sondern schützt auch die Umwelt. Gleichzeitig wird Reisebereitschaft in vielen Berufen nicht mehr vorausgesetzt, was z.B. Familien neue Perspektiven eröffnet. 

Gerade Unternehmen, die Nachwuchskräfte rekrutieren möchte, sollten sich auch auf veränderte Anforderungen insbesondere von jüngeren Bewerbern einstellen. Während in der Vergangenheit für die meisten klar war, dass von einem Arbeitnehmer erwartet wird, gemeinsam mit Kollegen und Vorgesetzten in einem Büro zuarbeiten, wird heute bereits in Bewerbungsgesprächen die Frage nach den zeitlichen und örtlichen Rahmenbedingungen eines Jobs lauter. Sich bezüglich seiner Arbeitsmodelle flexibel aufzustellen, wird also mehr und mehr zum entscheidenden Faktor für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Um einen Kontext zu schaffen, in dem alle Beteiligten gerne arbeiten, sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter in der (Neu-)Gestaltung der Arbeitswelt nicht außenvorlassen.

Mehr Homeoffice – welches Fazit?

Die Vor- und Nachteile von Homeoffice werden nach wie vor heiß diskutiert. Für viele Arbeitnehmer ist es ein großer Pluspunkt, sich flexibel organisieren und nach Bedarf zuhause arbeiten zu dürfen, weil er ihnen eine bessere Work-Life-Balance ermöglicht. Arbeit im WandelAußerdem kann so viel Zeit, die sonst im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln verbracht wird, gespart werden. Dem gegenüber steht der fehlende Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten, der im Büro viel leichter und zwangloser möglich ist. So fühlen sich einige Arbeitnehmer im Homeoffice isoliert, worunter die Motivation und damit die Arbeitseffizienz deutlich leiden kann. Außerdem bleibt durch die Zeit, die für virtuelle Meetings zur internen Absprache gebraucht wird, oft für die eigentliche Arbeit weniger Zeit. Andere Nachteile können zum Beispiel zu wenig Platz oder die Ablenkung durch die Familie sein. 

Für Arbeitgeber und leitende Angestellte stehen noch andere Fragen im Zentrum: Sind meine Mitarbeiter im Homeoffice genauso produktiv und effizient? Wie kann ich ihre Leistung positiv beeinflussen und diese auf Distanz erfassen? Und wie erhalte ich den Teamspirit, wenn sich viele kaum noch persönlich sehen? Durch die Arbeit von zu Hause bleibt wenig Zeit für persönliche Gespräche und auch Teamevents oder das gemeinsame Feierabendbier fallen aus. Auch wenn diese Themen zu einem starken Teamspirit beitragen können, hat die Pandemie gezeigt, dass die wichtigsten Kriterien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Remote-Modus doch vor allem eine gute Führung und eine reibungslose Kommunikation untereinander sind. 

In der Studie der Bertelsmann-Stiftung wurden mehr als 200 Experten aus den Bereichen Digitalisierung, Technologie und Künstliche Intelligenz befragt. 41% der Befragten sind der Meinung, dass Menschen im Home/Mobile Office mehr arbeiten als im Büro, 37% denken, dass gleich viel gearbeitet wird und nur 17% gaben an, dass weniger effizient gearbeitet wird. Durch die Corona-Pandemie wurde die Arbeit im Home-Office auf Bewährungsprobe gestellt – und hat diese in den meisten Fällen wohl bestanden. Inzwischen wird sogar ein gesetzlicher Anspruch auf Home-Office diskutiert. (Quelle: yourfirm). 

Sicher werden mit abflauendem Infektionsgeschehen wieder deutlich mehr Arbeitnehmer in die Büros zurückkommen und einige Arbeitgeber das auch verlangen. Tatsächlich wollen aber laut einer Umfrage von Yourfirm künftig mehr als die Hälfte aller Unternehmen tagesweise Arbeit von zu Hause aus ermöglichen, allerdings planen nur wenige Unternehmen, die Arbeitsplätze komplett auszulagern, sondern bevorzugen hybride Arbeitsmodelle, also Wechselmodelle mit einer gewissen Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsplatzes zwischen Homeoffice und Büro. 

Wir bei EuroRekruter stellen schon seit einigen Wochen fest, dass Unternehmen in ihren Stellenanzeigen den Fokus auf Flexibilität hinsichtlich des Arbeitsorts und der Präsenszeiten legen, um die Bewerber von heute mit den richtigen Argumenten anzusprechen. Auch gibt es deutlich mehr Bewerbungen auf Freelance-Angebote im Homeoffice als noch vor einem Jahr.

Es ist klar, dass die Pandemie zu einem Umdenken, sowohl bei den Arbeitgebern als auch bei den Arbeitnehmern geführt hat. Die Anzahl der für Homeoffice Arbeit offenen Unternehmen ist gestiegen und manch ein Arbeitnehmer, der vorher ganz zufrieden mit seiner Bürotätigkeit war, hat zwangsweise die Homeoffice Tätigkeit kennen- und nun auch schätzen gelernt. Welche Kompromisse und Arbeitsmodelle sich langfristig durchsetzen werden, wenn – hoffentlich – kein bekannter oder neuer Virus mehr die freie Entscheidung in dieser Hinsicht blockiert, wird sich zeigen.

Unser persönliches Fazit lautet: Homeoffice kann gut funktionieren, auch im Team, spart Nerven und Zeit beim Weg ins Büro, ist aber auch abhängig von einer stabilen Internetverbindung, guter Technologie- und Materialausstattung und wird nicht von allen Menschen gleich gut ertragen. Manche blühen auf und arbeiten sogar mehr und effizienter als vorher im Büro, andere leiden unter dem Mangel an persönlichem Austausch und physischer Nähe zu Kollegen und Vorgesetzten und werden unproduktiver und unzufriedener bei ihrer Arbeit. Kein leichtes Thema, für das es sicher individuelle Lösungen geben muss.

Und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

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