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Wettbewerbsfähigkeit Deutschland - Frankreich

Die Wettbewerbsfähigkeit zwischen Deutschland und Frankreich ist ein sehr aktuelles Thema, vor allem aufgrund der ökonomischen Turbulenzen in Europa und - in Frankreich speziell - des Reports Louis Gallois und den daraufhinvon der französischen Regierung beschlossenen Maßnahmen.

Arbeits- und Lohnnebenkosten

Abgesehen vom gesetzlichen Mindestlohn ("SMIC") in Frankreich, betrugen die Lohnnebenkosten 2012 etwa 50 Prozent des Bruttolohns in Frankreich, verglichen mit 27 Prozent in Deutschland. Während sich die Arbeitskosten für Deutschland von 2001-2010 durchgehend unterhalb des EU-Durchschnitts erhöhten, zeigte sich im Jahr 2011 sowie 2012 ein Arbeitskostenanstieg, der über dem Schnitt Europas lag. Allgemein erhöhten sich die Arbeitskosten innerhalb Deutschlands von 2001-2010 um etwa 16%, die Frankreichs stiegen mit etwa 35% entsprechend mehr als doppelt so hoch an. 2011 und 2012 hingegen liegt Deutschland im Vergleich zu Frankreich mit einem Anstieg der Arbeitskosten von 5,9% nur noch leicht über dem von Frankreich (5,4%).

(Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 26. März 2013)

Arbeitszeiten

In Frankreich liegt die geregelte Arbeitszeit bei 35 Wochenstunden und 218 Tage im Jahr, was 1526 Stunden im Jahr entspricht. In Deutschland gibt es keine bundesweite Regelung, jedoch branchen- oder unternehmensspezifische Betriebsvereinbarungen was eine Anpassung an den internationalen Wettbewerb ermöglicht. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt circa 38 bis 41 Stunden bei 216 Tagen im Jahr, was einem Durchschnitt von 1706 Stunden pro Jahr entspricht. Ein Unterschied von etwa 10% kann Deutschland zugunsten erkannt werden.

 

Steuern und Abgaben

Im Durchschnitt betragen sie 14,5 Prozent der Wertschöpfung in Frankreich gegenüber 7,8 Prozent in Deutschland (Le Parisien Economie, 17.09.2012). Der Körperschaftsteuersatz in Deutschland liegt bei Null, wenn das Unternehmen keine Gewinne verzeichnet, während die speziellen französischen Steuern CFE (Cotisation Foncière des Entreprises) und CVAE (Cotisation sur la Valeur Ajoutée des Entreprises) auf französische Unternehmen angewendet werden, auch wenn sie keine Gewinne machen. Für ein kleines bis mittleres Industrieunternehmen, welches 20 Millionen Euro Umsatz macht, beträgt der Steuersatz im Durchschnitt etwa 32 Prozent in Frankreich gegenüber 25 Prozent in Deutschland, eine Differenz von 7 Prozent, welche deutschen Unternehmen zugute kommt.

 

Arbeitsmarkt

Die Inflexibilität der französischen Arbeitsverträge, „CCD“ und „CDI“ ist bekannt, vor allem bei CDI, aufgrund der Komplexität und den Unsicherheitsfaktoren im Zusammenhang mit der Kündigung. In Deutschland ist die Verkürzung der Arbeitszeit in Kombination mit einer Senkung der Löhne gängige Praxis. Neben dem unmittelbaren Nutzen für das Unternehmen im Falle eines Abschwungs ist auch wichtig, dass die Angestellten direkt wieder verfügbar sein können und kein Knowhow verloren gegangen ist, wenn Aktivität und Bedarf wieder zunehmen. Auch der Fakt, dass eine Ankündigung von Überstunden nicht erforderlich ist, erhöht die Reagibilität der deutschen Unternehmen.

 

Was ist von der Maßnahme der französischen Regierung zu halten, welche eine Steuergutschrift vorsieht um die Arbeitgeberkosten zu reduzieren?
Diese Maßnahme ist schwierig zu interpretieren und nicht optimal für kleine und mittlere Unternehmen angepasst. Ein Geschäftsführer eines kleinen oder mittleren Unternehmens ist in der aktuellen ökonomischen Situation darauf angewiesen, seine Entscheidungen stark von der verfügbaren Liquidität abhängig zu machen. Allerdings hat die neue Maßnahme keinerlei positiven Einfluss auf die kurzfristige Liquidität. Der Geschäftsführer ist deshalb also nicht angehalten, mehr als in der Vergangenheit einzustellen, und ein möglicher positiver Effekt im Jahr 2014 oder 2015 (auch nur wenn sein Unternehmen Gewinne einfährt) wird für ihn keinen besonderen Anlass darstellen seine Personalentscheidungen neu zu überdenken.